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Neuerscheinungen 2015

Stand: 2020-02-01
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Angela Kreher

Kiesbad - bitte eintreten


Geschichte einer MS-Erkrankung
2. Aufl. 2015. 142 S. 21 cm
Verlag/Jahr: KINZEL 2015
ISBN: 3-9554403-8-9 (3955440389)
Neue ISBN: 978-3-9554403-8-1 (9783955440381)

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Angela betrachtet ihren Körper. Er sieht aus wie immer, aber sie kann ihn nicht fühlen, weder den Bauch, noch die Beine, noch den Po. Sie versucht die Taubheit zu ignorieren, wochenlang. Bis sie sich schließlich der Begegnung mit einer unheilbaren Krankheit stellen muss.
Die Autorin beschreibt ihre Geschichte mal amüsant, mal nachdenklich und lässt den Leser nebenbei in den Alltag einer Förderschule blicken.
Ein unterhaltsames Buch, das Mut macht.
Der vierte Tag im Krankenhaus beginnt nach dem nun schon gewohnten Schema. Ich plaudere mit Frau Blume und konsumiere nebenbei mein Urbasol. Michael klopft gegen halb zehn an die Tür. Dann kommt er schnell ins Zimmer und sofort auf mich zu. In den vergangenen Tagen ging er immer zuerst zu Frau Blume.
Er hat auch keine Krankenakten dabei. Vermutlich schickt er mich gleich nochmal zu einer Untersuchung. Aber nein, es kam anders.
"Wir müssen reden. Es kann sein, wir müssen deine Diagnose nochmal zum Schlechteren korrigieren." Genau diesen Satz sagte er. Und dann nahm er mich mit ins Arztzimmer ...
Sagte er gestern noch, mein Kopf sei sauber und wir lachten über diese Formulierung, so hatte er jetzt einen genauen Befund vom Radiologen und der sah 11 weiße Herde in meinem Gehirn. Sklerotisches Gewebe, multipel, also an vielen verschiedenen Stellen vorhanden.
Oligoklonale Banden, typisch bei MS, wurden im Liquor gesichtet. Wie das Wort schon klingt: oli go klonal! Man kann es kaum aussprechen, ohne sich zu verhaspeln und erklären kann es der Laie schon gar nicht. Diese seltsamen Banden sind jedenfalls an Orten, wo sie normalerweise nichts zu suchen haben. Außerdem seien viele andere Werte im Hirnwasser erhöht.
Die Aufnahmen des Rückenmarkes wiesen drei entzündliche Herde nach, im Brust- und ebenso im Halsbereich.
"Es sind alle Kriterien erfüllt. Wir kommen nicht daran vorbei: Du hast eine multiple Sklerose."
Spontan fiel mir nur ein zu fragen: "Irrtum ausgeschlossen?" Er nickte: "Ein Irrtum ist in der Medizin niemals ausgeschlossen, aber in deinem Falle höchst unwahrscheinlich."
"Ist es vererbbar?", war meine nächste Frage. "Können Stefan und Tabea erkranken? Ich hab da mal in einer Zeitschrift was gelesen ..."
Ich hatte zwar schon gelesen, dass es keine Erbkrankheit ist, wollte es aber explizit aus seinem fachkundigen Munde bestätigt wissen.
"Nein, es ist keine Erbkrankheit im üblichen Sinne. Es gibt kein Gen, mit dem die Krankheit vererbt wird. Lediglich gewisse Anlagen können vererbt werden. Aber selbst mit den Anlagen müssen deine Kinder nicht an MS erkranken. Viele Auslöser müssen zusammenspielen. Da musst du dir keine Gedanken machen. Ihr Risiko zu erkranken ist wirklich nur geringfügig größer als beim Rest der Bevölkerung."
In diesem Moment setzte sofort mein Schutzmechanismus ein. Es ist doch alles nicht so schlimm! Wie viel schlimmer wäre es, müsste ich mich auch noch um meine Kinder sorgen. Aber das muss ich nicht. Alles ist gut!
Wir reden lange, sehr lange. Ich weiß nicht viel über die Behandlung. Es gibt Spritzen und seit Anfang des Jahres auch Kapseln. Ich entscheide mich für Letzteres, Tecfidera heißt die Wunderwaffe, ohne zu wissen, ob es gut ist. Aber sie erscheinen mir im Gegensatz zu Spritzen die bessere Alternative zu sein. Das Gefühl, der Krankheit aktiv zu begegnen, gibt mir Kraft.
Kurz nach Eröffnung der Diagnose rufe ich meinen Mann an. Er soll es als Erster erfahren. Er wird sich am meisten damit auseinandersetzen müssen.