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Neuerscheinungen 2015

Stand: 2020-02-01
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Sara Reichelt

Seiltänzer


2015. 90 S. 210 mm
Verlag/Jahr: VERLAG 3.0 ZSOLT MAJSAI 2015
ISBN: 3-9566719-0-2 (3956671902)
Neue ISBN: 978-3-9566719-0-6 (9783956671906)

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Der vorliegende Roman ist in 14 Kapitel unterteilt, die exemplarische Situationen und Themen des psychotherapeutischen Prozesses beinhalten. Es handelt sich um keine konkreten "Fälle", sondern es werden aus der subjektiven Sicht einer nicht näher bezeichneten "Behandlerin" prototypische "Dialoge" wiedergegeben und die dazu gehörenden Reflexionen. Das allgemeine, essentielle und immer wiederkehrende dieser ganz besonderen therapeutischen Situation wird extrahiert und sprachlich lyrisiert.

Das Manuskript hebt - anders als klassische Erzählformen - Kategorien von Subjekt, Zeit oder Kausalität auf und entzieht sich damit einer Typisierung.

Der Text begreift sich in der Tradition des Nouveau Roman, speziell auch hinsichtlich der Sprache. Auch Nathalie Sarraute ging es darum, keine konkreten Einzelschicksale zu schildern, sondern bewusst zu verallgemeinern und die unpersönliche Form des "sie" (3. Person Plural) als Anrede zu verwenden. Es geht also nicht um den einzelnen Helden, der ein Schicksal erleidet oder durch eine Katharsis gereinigt wird, sondern um Strukturen, die analysiert werden unter Zuhilfenahme von eher scherenschnittartig existierenden Personen.
(aus dem zweiten Kapitel "Von den Seiltänzern mit gefesselten Händen")
- Fangen Sie an! Sie können es!

- Wir können es nicht!

- Woher wissen Sie das?

- Weil wir immer gescheitert sind...

Wenn ich an sie denke, fallen mir oft Seiltänzer ein, die sich zuerst nicht auf das Seil wagen, weil sie sich einreden, weil sie sich immer wieder selbst vorsagen, dass sie abstürzen, das Ziel nie erreichen würden, denn sie wüssten, sie wüssten mit Sicherheit, dass ihnen nie etwas gelänge. Das war schon immer so, das würde immer so bleiben.
Der Seiltanz zieht sich als Metapher für ein spannenderes und selbst bestimmteres Leben durch den gesamten Roman. Immer wieder wird das "Wir" der Hilfe- und Ratsuchenden vom "Ich" dazu gebracht, sich auf das Seil zu wagen, um die ersten eigenen Schritte zu tun. Das "Wir" schildert dabei die Selbstzweifel und Ängste, dass man beispielsweise das Gleichgewicht verlieren oder das Seil reißen könnte. Aufgrund der Ermutigungen und Forderungen des Behandlers wagt das "Wir" dann doch Versuche, auf dem Seil zu tanzen. Diese sind zunächst zaghaft und es gibt immer wieder Rückschläge. Im Verlaufe des Romans wachsen Mut und Sicherheit, so dass am Ende sowohl der Behandler als auch andere Sicherheitsnetze überflüssig werden.
sara reichelt; geb. 1964 in Nürnberg; lebt in Berlin; seit 1986 literarische Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften; Einzelveröffentlichungen "Wenn du mich suchen willst" (2005), "Wer hat Angst vorm Seitensprung" (2008), "Die (Un)Möglichkeit der Liebe" (2011), "Lies mich" (2014)