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Neuerscheinungen 2017

Stand: 2020-02-01
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Corino Karl

Lebenslinien


2017. 260 S. 219 mm
Verlag/Jahr: PALMARTPRESS 2017
ISBN: 3-941524-98-4 (3941524984)
Neue ISBN: 978-3-941524-98-9 (9783941524989)

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"Die Linien des Lebens sind verschieden / wie Wege sind und wie der Berge Grenzen", dichtete der späte Hölderlin. Der neue Band Lebenslinien von Karl Corino knüpft an diese Verse an und zieht anlässlich seines 75. Geburtstags eine Summe aus seinem bisherigen lyrischen Oeuvre, aus Ungedrucktem und Gedruckten, wobei vor allem die Bände Tür-Stürze, In Bebons Tal, Neue Bilder aus Bebenhausen, Vademecum. Balladen über die Jugend in einer kleinen Stadt und Falltüren des Himmels. Eine kleine Vogelkunde zu nennen sind.

Karl Corino, wie der Name andeutet Spross einer italienischen Familie, die vor 400 Jahren aus Glaubensgründen nach Deutschland auswanderte und sich dann in Franken niederließ, vergleicht sein Leben als "Studierter", als Journalist und Biograph, häufig mit der Existenz derer "vor ihm", der Bauern und Handwerker rund um den Hesselberg, den Zeugenberg der Franken, hat aber auch schreibende Kollegen wie Christian Wagner und Robert Musil (oder die Droste-Hülshoff) im Blick. Ein Focus auf die DDR darf dabei nicht fehlen, zumal Corino fast 20 Jahre lang im Hessischen Rundfunk das Magazin Transit. Kultur in der DDR moderierte.

Die Bildwelt Corinos ist stark von der agrarischen Welt geprägt, in der er aufwuchs, und von der Gartenlandschaft in Tübingen, seinem "Elisium", in dem er seit 2003 mit seiner Frau Elisabeth Albertsen lebt: ein locus amoenus, von dem aus die Gedanken wandern bis zurück in die Antike oder in die Abgründe ´schwarzer Genetik´ zu Stalin-Zeiten.
LEBENSLINIEN
I

Verwundert schaute sie
im frühen Licht auf
diese Gegend zwischen
Kinn und Schlüsselbein

die Spanne reichte kaum
die Breite auszumessen
schnurdick die Sehnen

Ein Hals der Beilen
Arbeit machte einen Blick
nicht tragen kann

II

Die vor ihm Stifter
dieses Turms aus Fleisch
und Bein Mühlknechte
Stangenreiter ihr Lebtag
eingejocht wie Stiere

Er selber manche Fuhre
Getreide hochgeschleppt
drei Treppen fast vornüber
gefallen fast abgebrochen
unter den Maltersäcken

Manche laufen schön
leben leicht

andre stehen mit einer Last
auf schwanken immer zu große
Schritte
Karl, Corino
Karl Corino, geboren 1942 in Ehingen, Mittelfranken. Seit 1970 Redakteur in der Literaturabteilung des Hessischen Rundfunks Frankfurt, von 1985-2002 deren Leiter. Gastprofessuren in Pisa, Essen und St. Louis. 1997-1998 Fellow am Wissenschaftskolleg Berlin. Lebt seither als freier Schriftsteller in Tübingen. Corino veröffentlichte neben Sammelbänden über "Intellektuelle im Bann des Nationalsozialismus", über "Genie und Geld", über Fälschungen drei Standardwerke über "Robert Musil: Leben und Werk in Bildern und Texten", Reinbek 1988, "Robert Musil. Eine Biographie", Reinbek 2003. "En face -Texte von Augenzeugen. Erinnerungen an Robert Musil", Wädenswil 2010. Außerdem zahlreiche Publikationen zur DDR-Literatur, u.a. "Die Akte Kant. IM Martin, die Stasi und die Literatur in Ost und West", Reinbek 1995 und "Außen Marmor, innen Gips - Die Legenden des Stephan Hermlin", Düsseldorf 1996.