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Neuerscheinungen 2017

Stand: 2020-02-01
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Jürgen Kilian

Krieg auf Kosten anderer


Das Reichsministerium der Finanzen und die wirtschaftliche Mobilisierung Europas für Hitlers Krieg
2017. 494 S. 6 b/w ill., 60 b/w tbl. 215 mm
Verlag/Jahr: DE GRUYTER; DE GRUYTER OLDENBOURG 2017
ISBN: 3-11-044974-9 (3110449749)
Neue ISBN: 978-3-11-044974-7 (9783110449747)

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Die Rolle der obersten Finanzbehörde des Dritten Reiches an der wirtschaftlichen Ausbeutung der besetzten Länder während des Zweiten Weltkrieges wurde in der Forschung bislang oft unscharf beschrieben. In der Vergangenheit war man vielmehr allzu häufig den Nachkriegsaussagen des Ministers Schwerin von Krosigk und seiner früheren Mitarbeiter gefolgt, wonach das Reichsfinanzministerium kaum Einflussmöglichkeiten auf die Finanzpolitik außerhalb Deutschlands besessen habe. Tatsächlich entspricht diese exkulpierende Behauptung lediglich in formaler Hinsicht den Tatsachen, vermochte das Ministerium doch sowohl auf der Ebene der obersten Reichsressorts als auch über seine in sämtliche Besatzungsverwaltungen abgeordneten Beamten einen gewichtigen faktischen Einfluss auf die Ausbeutungsmaßnahmen in den besetzten Ländern auszuüben.Dies trifft vor allem auf die Aufbringung und Gegenfinanzierung der oft überhöhten Besatzungslasten zu, welche letztlich der deutschen Kriegskasse zugutekamen und Hitlers Kriegführung überhaupt erst ermöglichten. Neben einer Kontrolle des Haushaltsgebarens in den besetzten Ländern sorgten die Spezialisten des Ministeriums konkret dafür, dass die einheimischen Finanzbehörden die Steuersätze erheblich anhoben und neue Abgabenarten einführten, um zu einer Steigerung des Steueraufkommens zu gelangen. Im Nebeneffekt schloss dieses Vorgehen häufig eine sukzessive Angleichung an das deutsche Fiskalsystem ein und zielte damit auf die Errichtung eines europäischen "Großwirtschaftsraumes" unter deutscher Hegemonie ab.In einigen besetzten Ländern vereinnahmten die Finanzbeamten darüber hinaus entsprechend der elften Verordnung zum Reichsbürgergesetz das Vermögen und die Habseligkeiten von emigrierten oder deportierten deutschen, tschechischen oder polnischen Juden. Die Einstufung des Reichsfinanzministeriums als eine reine Fachbehörde, die an den nationalsozialistischen Verbrechen nicht oder nur am Rande beteiligt war, kann daher auch im Hinblick auf das besetzte Europa nicht länger aufrechterhalten werden.
"Kilian zieht eine Fülle von Quellen heran, um eine plausible Rechnung vorzulegen [...] Interessant sind Kilians Berechnungen der staatlichen Gesamtausgaben während der fünfeinhalb Kriegsjahre vom 1. September 1939 bis März/April 1945 [...]"Bernhard Schulz in: Der Tagesspiegel, 06.06.2018, S. 23 "Was man liest, ist daher nicht nur inhaltlich der neueste Stand der Dinge, sondern auch methodisch. [...] Kilian erforscht in drei von vier Kapiteln, wie das Finanzsystem während des Krieges und für den Krieg organisiert war. Und wie die Ausbeutung der eroberten Länder jeweils finanztechnisch funktionierte: im "Experimentierfall des Protektorats Böhmen und Mähren", in Dänemark, Norwegen und den Niederlanden, dann in Belgien und Frankreich, in Südosteuropa und schließlich in Russland. Ein Kapitel behandelt die "Verwertung" jüdischen Vermögens. [...] Die besetzten Länder kamen von 1939 bis 1945 für ein Drittel der Kriegskosten auf."Reinhold Mann in: Schwäbische Zeitung 20.03.2018 "Dieses Buch liefert nicht nur für die NS-Forschung, sondern auch für die Wirtschafts- und Finanzgeschichte einen überaus wichtigen Beitrag."Alexander Nützenadel in: H-Soz-Kult (21.11.2018), .hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-28583 "[...] gut geschriebene, auf akribischer Quellenauswertung beruhende Studie [...] ist vollkommen unstrittig, dass Kilians gelungenes Werk auf überzeugende Weise eine Forschungslücke schließt. Wer sich über die finanzwirtschaftliche Ausbeutung des besetzten Europa durch das Dritte Reich und die unrühmliche Rolle des Reichsfinanzministeriums und seiner Beamten informieren will, sollte Kilians Studie unbedingt in die Hand nehmen und wird sie mit großem Gewinn lesen."Jonas Scherner in: Historische Zeitschrift 307 (2018), 887-888